Ist Bungee Jumping gefährlich? Risiken, Unfälle und Sicherheit
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Ist Bungee Jumping gefährlich? Risiken, Unfälle und Sicherheit

5 Min. Lesezeit · April 2026

1 Todesfall auf 500.000 Sprünge. Das ist die Sterblichkeitsrate beim Bungee Jumping, basierend auf den seit Ende der 1980er Jahre gesammelten Daten1. Zum Vergleich: Das entspricht etwa dem Risiko einer 160-km-Autofahrt. Das Risiko existiert, aber es ist messbar und vor allem beherrschbar. Hier erfährst du, was die Zahlen wirklich sagen, welche Risiken konkret bestehen und wie du sicher springst.

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Bungee-Jumping-Unfälle: Was sagen die Zahlen?

Zwischen 1986 und 2002 wurden weltweit 18 Todesfälle beim Bungee Jumping registriert, etwas mehr als einer pro Jahr1. Zwischen 2015 und 2018 kamen 5 weitere dokumentierte Todesfälle hinzu. Im selben Zeitraum wurden in Dutzenden Ländern Millionen von Sprüngen durchgeführt.

Die Schweiz liefert ein eindrucksvolles Beispiel. Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) meldet null Todesfälle in 20 Jahren kommerziellem Bungee Jumping2. Das Land verlangt eine ISO-Zertifizierung für Abenteuertourismus und die Registrierung beim Bundesamt für Sport. Strenger Rahmen, makellose Bilanz.

In Frankreich regeln die AFNOR-Normen NF S52-501 (Protokolle und Personalschulung) und NF S52-502 (technische Anforderungen an das Material) die Aktivität seit 20053. In Deutschland und Österreich gelten die allgemeinen Sicherheitsvorschriften für Freizeitanlagen. Ein seriöser Anbieter wie die bekannten Plattformen Jochen Schweizer oder mydays arbeitet ausschließlich mit zertifizierten Partnern.

Nullrisiko gibt es nicht. Aber in einem professionellen, regulierten Rahmen gehört Bungee Jumping zu den Extremsportarten mit der besten Sicherheitsbilanz.

Die echten Risiken eines Bungee-Sprungs

Der Körper erfährt beim Abbremsen 2 bis 4 G, ein bis zwei Sekunden lang. Kurz, aber heftig. Vier Risiken solltest du kennen.

1. Schleudertrauma und Halswirbelverletzungen

Die abrupte Verzögerung schleudert den Kopf nach vorne und dann zurück. Das ist das am häufigsten gemeldete Risiko, vergleichbar mit einem leichten Autounfall. Seriöse Anbieter beugen dem durch ein Positions-Briefing vor: Kinn an die Brust, Arme verschränkt. Mit einem Ganzkörpergurt (nicht nur Fußschlaufen) sinkt dieses Risiko deutlich.

2. Augenverletzungen

Der Blutdruck im Kopf steigt kurzzeitig während der Inversionsphase. Das kann bei manchen Springern subkonjunktivale Blutungen (vorübergehende Rötungen) verursachen. Schwere Fälle bleiben die absolute Ausnahme und betreffen vor allem Personen mit vorbestehenden Augenerkrankungen1.

3. Seilriss

Das Szenario, das die meisten Ängste auslöst, und mit Abstand das seltenste. Professionelle Bungee-Seile halten Belastungen von bis zu 2,5 Tonnen stand3. Sie bestehen aus Hunderten ummantelte Latexfäden und werden nach etwa 150 Sprüngen oder 6 Monaten Nutzung ausgetauscht. Jeden Morgen wird vor dem ersten Kundensprung ein gewichteter Testsprung durchgeführt. Die wenigen dokumentierten Fälle von Seilriss betreffen veraltetes Material oder nicht regulierte Betriebe.

4. Fehlberechnung der Seillänge

Ein Seil, das für die Brückenhöhe oder das Gewicht des Springers zu lang ist: Das ist die häufigste Ursache tödlicher Unfälle in den historischen Daten1. Zertifizierte Anbieter verwenden ein Doppelprüfungssystem: eine erste Berechnung durch den Techniker, gefolgt von einer unabhängigen Kontrolle durch ein anderes Teammitglied. Der Mindestabstand unter dem tiefsten Punkt des gedehnten Seils beträgt 20 Meter.

Kontraindikationen: Wer sollte nicht springen?

Bungee Jumping ist nicht für jedes Profil geeignet.

Kontraindikation Detail
Herzprobleme Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkt-Vorgeschichte
Augenerkrankungen Glaukom, Netzhautablösung, kürzliche OP
Nacken- oder Rückenprobleme Bandscheibenvorfall, Hüftprothese
Schwangerschaft Absolutes Verbot
Epilepsie Anfallsrisiko durch Stress und vestibuläre Stimulation

Gewicht und Alter: Die meisten Anbieter setzen ein Minimum von 40 kg und ein Maximum von 120 bis 130 kg. Das Mindestalter liegt je nach Land zwischen 12 und 16 Jahren, mit Einverständniserklärung der Eltern für Minderjährige.

Im Zweifel: Frag deinen Arzt und informiere den Anbieter vor dem Sprungtag.

Woran du einen seriösen Anbieter erkennst

Nicht alle Anbieter sind gleich. Vor der Buchung solltest du diese Punkte prüfen.

  • Zertifizierung: In Frankreich Konformität mit AFNOR NF S52-501/502. In der Schweiz ISO-Zertifizierung für Abenteuertourismus. In Deutschland und Österreich: Frag nach der geltenden Sicherheitsnorm und dem TÜV-Prüfsiegel.
  • Doppelbefestigung: Der Springer muss über zwei unabhängige Systeme gesichert sein (Fußschlaufen UND Körpergurt). Ein einzelner Befestigungspunkt = such dir einen anderen Anbieter.
  • Täglicher Testsprung: Jeden Morgen wird ein Gewicht abgelassen, bevor der erste Kunde springt. Frag nach.
  • Berufshaftpflichtversicherung: Seriöse Anbieter zeigen sie auf ihrer Website oder legen sie auf Anfrage vor.
  • Regelmäßiger Materialwechsel: Seile müssen nach etwa 150 Sprüngen oder 6 Monaten getauscht werden.
  • Vollständiges Briefing: Sprungposition, Sicherheitsanweisungen, Ablauf. Wenn das Briefing weniger als 3 Minuten dauert, stell Fragen.

Bei Interlaken in der Schweiz sorgt die strenge Landesregulierung für einen der sichersten Rahmen weltweit. Und bekannte Vermittler wie Jochen Schweizer oder mydays arbeiten in der DACH-Region nur mit geprüften Partnern.

Zum Weiterlesen: Ist Fallschirmspringen gefährlich? und Paragliding: Risiken und Sicherheit.

Bungee Jumping vs Fallschirmspringen vs Paragliding: Wie hoch ist das Risiko?

Bungee Jumping wird oft mit den beiden anderen großen Luft-Abenteuern verglichen.

Bungee Jumping Fallschirmspringen (Tandem) Paragliding (Tandem)
Geschätzte Sterblichkeit ~1 / 500.000 Sprünge ~1 / 500.000 Sprünge ~1 / 116.000 Flüge (Piloten)
Risikodauer 3 bis 8 Sekunden 5 bis 7 Minuten 15 bis 45 Minuten
G-Kräfte 2 bis 4 G 1,5 bis 2 G < 1,5 G
Hauptrisiko Halswirbel, Augen Landung Wetter, Turbulenzen

Bungee Jumping komprimiert die körperliche Belastung auf wenige Sekunden. Das Risikofenster ist deutlich kürzer als beim Fallschirmspringen oder Paragliding, was die Seltenheit der Unfälle zum Teil erklärt.

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Häufig gestellte Fragen

Kann man beim Bungee Jumping sterben?

Das Risiko besteht: 18 Todesfälle weltweit zwischen 1986 und 2002, etwa 1 pro Jahr. Die geschätzte Rate liegt bei 1 auf 500.000 Sprünge. Mit einem zertifizierten Anbieter und geprüftem Material ist das Risiko vergleichbar mit einer 160-km-Autofahrt.

Ist Bungee Jumping schlecht für den Rücken?

Die Verzögerung (2 bis 4 G) belastet die Wirbelsäule ein bis zwei Sekunden lang. Für einen gesunden Menschen ist das Risiko minimal. Wer allerdings einen Bandscheibenvorfall, schwere Skoliose oder Rückenimplantate hat, sollte auf Bungee Jumping verzichten.

Gibt es ein Gewichtslimit beim Bungee Jumping?

Die meisten Anbieter setzen eine Grenze zwischen 120 und 130 kg. Das Mindestgewicht liegt in der Regel bei 40 kg (Mindestspannung für das Seil). Das Seil wird für einen bestimmten Gewichtsbereich kalibriert: Außerhalb dieses Bereichs wird die Längenberechnung unvorhersehbar.

Was passiert, wenn das Bungee-Seil reißt?

Professionelle Seile halten 2,5 Tonnen Zugkraft aus. Sie bestehen aus Hunderten von Latexfäden und reißen nicht auf einmal: Selbst wenn einige Fäden nachgeben, hält das Ganze. Alle dokumentierten Fälle von komplettem Seilriss betreffen nicht-professionelles Material oder unregulierte Betriebe. Bei einem zertifizierten Anbieter wird das Material lange vor Erreichen seiner Grenzen ausgetauscht.

Sources

  1. Mei-Dan O. et al., The Epidemiology of Injury in Bungee Jumping, BASE Jumping, and Skydiving, Karger, Medicine and Sport Science, 2012.
  2. Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU), Bungee Jumping: Sicherheitshinweise, bfu.ch, 2024.
  3. AFNOR, Normen NF S52-501 und NF S52-502, Bungee-Jumping-Aktivitäten, 2005.

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